Ich bin genug, warum Selbstliebe der Anfang von allem ist

Das Bild veranschaulicht den Blogbeitrag über Selbstliebe, innere Heilung und das Journal „Ich bin genug“ als Begleiter auf dem Weg zu mehr Selbstannahme.

Es gibt Themen, die begleiten uns ein Leben lang. Wir glauben, wir hätten sie verstanden. Wir lesen Bücher darüber, besuchen Seminare, hören Vorträge oder begleiten, so wie ich, seit vielen Jahren andere Menschen auf ihrem Weg. Und dann passiert etwas, das uns zeigt, dass zwischen Wissen und eigener Erfahrung ein großer Unterschied liegt.

Genau so ging es mir mit der Selbstliebe. Seit mehr als 35 Jahren begleite ich Menschen als Heilpraktikerin und Energietherapeutin. In dieser Zeit habe ich unzählige Lebensgeschichten gehört. Ich habe Menschen erlebt, die unter chronischen Erkrankungen litten, immer wieder in dieselben Beziehungen gerieten, sich selbst permanent unter Druck setzten oder das Gefühl hatten, niemals wirklich anzukommen.

Obwohl ihre Geschichten völlig unterschiedlich waren, begegnete mir immer wieder derselbe Satz, manchmal ausgesprochen, manchmal nur zwischen den Zeilen:

„Ich habe oft das Gefühl, nicht genug zu sein.“

Oder nicht klug genug. Nicht schön genug. Nicht erfolgreich genug. Nicht liebenswert genug. Nicht stark genug. Für was audh immer, jedenfalls nicht perfekt.

Vielleicht kennst du diesen Gedanken auch. Manchmal ist er ganz offensichtlich. Manchmal versteckt er sich hinter Perfektionismus, übergroßer Hilfsbereitschaft oder dem Wunsch, es allen recht zu machen. Manchmal zeigt er sich darin, dass wir ständig versuchen, Erwartungen zu erfüllen, in der Hoffnung, endlich die Anerkennung, Liebe oder Wertschätzung zu bekommen, nach der wir uns so sehr sehnen. Das Ganze läuft meistens nicht bewusst ab und ist daher nicht immer gleich offensichtlich.

Ich kenne diesen Glaubenssatz nicht nur aus meiner therapeutischen Arbeit. Ich kenne ihn auch wieder aus eigener Erfahrung.


Als meine Krankheit mich zum Innehalten zwang

Vor meiner Diagnose hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass ich mich selbst liebe. Heute würde ich eher sagen: Ich bin auf dem Weg. Meine chronische Erkrankung hat mein Leben verändert. Plötzlich funktionierten Dinge nicht mehr, die für mich selbstverständlich gewesen waren. Mein Körper setzt Grenzen, die ich weder ignorieren noch einfach überwinden kann. Ich musste lernen, langsamer zu werden und mich mit weniger zufrieden zu geben. Für Perfektionismus ist jedenfalls gar kein Platz mehr!

Ich musste lernen, Pausen nicht als Schwäche zu betrachten, und ich habe eine wichtige Frage wiederentdeckt, die mich immer wieder begleitet: Wie liebevoll gehe ich eigentlich mit mir selbst um? Nicht theoretisch. Nicht in schönen Gedanken. Sondern ganz praktisch im Alltag. Erlaube ich mir Ruhe, wenn mein Körper sie braucht? Oder denke ich immer noch, dass ein bisschen noch geht.?

Darf ich Nein sagen, ohne mich schuldig zu fühlen? Klappt immer besser.

Muss ich ständig etwas leisten, um meinen Wert zu beweisen? Und dazu gehören für mich mittlerweile diese Fragen auch ganz eng dazu: Ist es überhaupt richtig, seinen Wert über Leistung zu definieren oder darf ich einfach „nur“ sein ? Und warum tue ich etwas?

Diese Fragen haben mein Leben verändert und tun es immer noch.


Wissen ist etwas anderes als Erleben

Als ich mein eigenes Journal „Ich bin genug – Journal für Selbstliebe“ durchgearbeitet habe, dachte ich zunächst, ich würde das Thema bereits gut kennen. Schließlich hatte ich mich viele Jahre nicht nur beruflich damit beschäftigt. Doch Seite für Seite wurde mir bewusst, dass dieses theoretische Wissen immer wieder durch eigenes Erleben neu entdeckt werden darf.

Manche Fragen haben ich immer wieder durchgearbeitet und immer wieder noch tiefer gehende Erkenntnisse daraus gewonnen. Andere ließen dadurch auch Erinnerungen auftauchen, die ich längst vergessen hatte. Und wieder andere machten mir bewusst, wie streng ich an manchen Stellen immer noch mit mir selbst war. Das war nicht liebevoll. Da sprach in mir entweder ein Elternteil oder Großelternteil.

Jedenfalls war es, als würde ich mir selbst noch einmal auf einer tieferen Ebene begegnen. Nicht als Therapeutin. Nicht als diejenige, die anderen hilft. Sondern einfach als Mensch, der die Diagnose einer chronischen Krankheit hat und weiß, dass ich selbst die Verantwortung für meine Genesung, soweit möglich, in der Hand habe. Und da gehört es dazu, an seinem Inneren zu arbeiten. Die Ursache der Erkrankung, der Symptome zu erlösen. Das braucht Innenschau!

Heute weiß ich: Ich habe dieses Journal nicht nur für andere geschrieben, sondern im Moment vor allem für mich! Dafür liebe ich mich schon mal!


Woher kommt eigentlich das Gefühl, nicht genug zu sein?

Kaum ein Kind kommt mit dem Gefühl auf die Welt, nicht liebenswert zu sein. Sie erleben sich zunächst als selbstverständlich. Erst nach und nach beginnen sie zu lernen, welche Verhaltensweisen erwünscht sind und welche nicht. Wir loben sie, wenn wir ihr Verhalten gut finden und wir tadeln sie, wenn wir etwas nicht gut finden. Oft erwarten wir von ihnen Verhaltensweisen, die wir ihnen noch nicht einmal selber vorleben. Weil auch wir als Kinder es so gelernt haben.

Das ist gar nicht böse gemeint. Unsere Eltern geben meistens nur das weiter, was sie selbst gelernt haben. Und trotzdem hinterlassen diese Verhaltensweisen Spuren. Denn Kinder hinterfragen am Anfang nicht. Sie bemühen sich für uns liebenswert zu bleiben, bzw. unsere Aufmerksamkeit zu behalten.

Sie fühlen: Wenn ich gelobt werde, wenn ich funktioniere, dann muss ich wohl funktionieren, um geliebt zu werden. Wenn ich kritisiert werde, sobald ich Fehler mache, dann darf ich wohl keine Fehler machen. Wenn meine Bedürfnisse keinen Platz haben, dann sind sie wahrscheinlich nicht wichtig.

Aus vielen kleinen Erfahrungen entstehen mit der Zeit Überzeugungen. Und irgendwann werden diese Überzeugungen zu unserem inneren Programm. Und viele davon tragen nicht dazu bei, dass wir uns selbst genug lieben.

Wie fehlende Selbstliebe unser Leben bestimmt

Das Tückische daran ist, dass die wenigsten Menschen durch ihr Leben gehen und denken bewusst, dass sie nicht genügen. Viel häufiger zeigt sich dieser Glaubenssatz ganz unauffällig. Zum Beispiel, wenn wir ständig versuchen, perfekt zu sein. Wenn wir uns kaum trauen, Nein zu sagen. Wenn wir die Bedürfnisse anderer wichtiger nehmen als unsere eigenen. Das ist übrigens auch ein Punkt, den viele gar nicht merken.

Wenn wir uns schuldig fühlen, sobald wir eine Pause machen. Wenn wir immer glauben, noch mehr leisten zu müssen. Wenn wir uns ständig vergleichen. Oder wenn wir unser eigenes Glück davon abhängig machen, dass andere uns lieben, anerkennen oder bestätigen.

Viele Menschen verbringen ihr ganzes Leben damit, im Außen nach etwas zu suchen, das sie nur in sich selbst finden können. Sie hoffen, dass der richtige Partner ihnen endlich das Gefühl gibt, liebenswert zu sein. Dass beruflicher Erfolg den eigenen Selbstwert stärkt. Oder dass Anerkennung von außen die innere Leere füllt. Doch diese Bestätigung hält meist nur kurze Zeit an.

Dann beginnt die Suche von Neuem. Denn solange tief in uns der Glaubenssatz lebt, nicht genug zu sein, kann uns niemand dauerhaft davon überzeugen, dass wir es doch sind.


Was Selbstliebe für mich heute bedeutet

Früher hätte ich Selbstliebe wahrscheinlich anders beschrieben. Heute ist sie für mich kein Gefühl, das plötzlich da ist und nie wieder verschwindet. Sie ist auch kein Ziel, das man irgendwann erreicht und anschließend abhaken kann.

Für mich ist Selbstliebe mittlerweile vielmehr ein innerer Zustand, der sich immer weiter entfalten darf. Vielleicht ist es das, was manche spirituellen Traditionen als tiefe Verbundenheit oder inneren Frieden beschreiben. Ein Zustand, in dem wir aufhören, gegen uns selbst zu kämpfen.

Selbstliebe ist für mich ein Zustand, in dem wir mit uns selbst genauso liebevoll umgehen wie mit einem Menschen, den wir aus tiefstem Herzen lieben.

Ich glaube, dass wir umso gesünder leben, körperlich, seelisch und geistig, je mehr wir in dieser Verbindung mit uns selbst ankommen, weil wir aufhören, ständig im Widerstand gegen uns selbst zu sein.

Und genau dort beginnt oft eine Veränderung, die viel tiefer geht, als wir zunächst vermuten.


Warum Schreiben manchmal mehr verändert als Reden

In den vielen Jahren meiner therapeutischen Arbeit habe ich immer wieder erlebt, dass Menschen erstaunliche Erkenntnisse gewinnen, sobald sie beginnen, ihre Gedanken aufzuschreiben. Etwas verändert sich in dem Moment.

Gedanken, die vorher nur diffus im Kopf waren, werden plötzlich sichtbar. Gefühle bekommen Worte. Zusammenhänge werden klarer. Und manchmal lesen wir einen Satz, den wir selbst geschrieben haben, und denken: „Das glaube ich tatsächlich über mich?“

Genau deshalb liebe ich Journaling mittlerweile. Zugegeben, am Anfang war mir das zu anstrengend. Ich dachte, das kannst du auch gedanklich mal eben machen. Jetzt, wo ich Zeit habe, mir nehme, setze ich mich hin und schreibe auf, was ich fühle und denke. Weil ich weiß, dass es mir mehr bringt.

Das Schreiben wird unser Leben nicht von heute auf morgen verändern, allerdings lädt es uns ein, ehrlich mit uns selbst zu sein. Wir schreiben nicht mit der Version von uns, die wir nach außen zeigen, sondern mit dem Menschen, der wir tief in unserem Inneren wirklich sind.

Und genau dort beginnt die Veränderung, wenn wir anfangen, uns selbst wahrzunehmen.


Ein Journal ist kein Buch, das man „fertig“ macht

Eine Erkenntnis hat mich beim Durcharbeiten meines eigenen Journals besonders überrascht. Ich hatte ursprünglich gedacht, dass man es einmal durcharbeitet und anschließend weg legt. Heute sehe ich das völlig anders.

Es gibt Seiten, die ich inzwischen mehrfach bearbeitet habe. Fragen die ich öfters beantwortet habe. Und jedes Mal entdecke ich etwas Neues. Nicht, weil sich die Frage verändert hat, sondern weil ich mich in der Zwischenzeit verändert habe. Andere Antworten schreibe ich heute fast genauso auf wie beim ersten Mal.

Oft bin ich überrascht. Plötzlich sehe ich Zusammenhänge, die ich vorher überhaupt nicht erkannt habe. Oder ich stelle fest, dass ein Glaubenssatz, den ich längst aufgelöst glaubte, sich nur etwas besser versteckt hatte. Genau deshalb glaube ich, dass Selbstliebe kein fertiger Zustand ist.

Sie ist ein Weg. Ein Weg, der uns unser ganzes Leben begleiten darf. Und ich finde, das ist genau das Schöne daran. Und es ist so heilsam liebevoll mit sich umzugehen.

Wir müssen nicht irgendwann „perfekt“ selbstliebend sein. Es reicht, wenn wir heute ein kleines Stück liebevoller mit uns umgehen als gestern.


Selbstliebe zeigt sich nicht in großen Worten

Viele verbinden Selbstliebe mit Affirmationen oder damit, sich jeden Morgen im Spiegel anzulächeln. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Für mich beginnt Selbstliebe allerdings viel früher. Sie beginnt in den kleinen Entscheidungen des Alltags.

Wenn ich meinem Körper glaube, obwohl mein Verstand noch sagt: „Ach, das geht schon.“

Wenn ich eine Pause mache, bevor mein Körper mich dazu zwingt.

Wenn ich Nein sage, obwohl ich weiß, dass jemand vielleicht enttäuscht sein wird.

Wenn ich mir einen Fehler verzeihe.

Wenn ich mir selbst dieselbe Freundlichkeit schenke, die ich einem Menschen entgegenbringen würde, den ich liebe.

Ich glaube, genau dort wird Selbstliebe sichtbar. In kleinen Entscheidungen. Jeden Tag.


Liebe ist stärker als Angst

Wenn ich heute auf unsere Welt schaue, sehe ich vieles, was Menschen verunsichert.

Krankheit. Kriege. Hass. Spaltung. Überall Angst. Viele fragen sich „Was kann ich als Einzelner überhaupt dagegen tun?“

Ich glaube, sehr viel, wenn wir bei uns selbst beginnen. Ich bin überzeugt, dass Liebe die stärkste Kraft ist, die wir Menschen in uns tragen. Ich meine nicht diese romantisierte an Bedingungen geknüpfte Liebe. Sondern diese tiefe, bedingungslose Liebe, die keinen Beweis verlangt. Die einfach nur sagt: Jeder ist genug.“

Und diese Liebe beginnt nicht bei einem anderen Menschen. Sie beginnt bei uns selbst. Denn solange wir uns selbst ablehnen, werden wir immer hoffen, dass andere diese Leere füllen. Doch kein Mensch kann uns dauerhaft das geben, was wir uns selbst verweigern.

Je mehr wir lernen, uns selbst anzunehmen, desto freier werden wir. Und interessanterweise verändert sich dann oft auch unser Umfeld. Weil wir anderen Menschen anders begegnen. Geduldiger. Mitfühlender. Gelassener. Nicht, weil wir perfekt geworden sind. Sondern weil wir nicht mehr ständig gegen uns selbst kämpfen.


Veränderung beginnt immer bei uns selbst

Manchmal höre ich den Satz: „Was kann ich allein schon bewirken?“ Ich glaube, jede große Veränderung beginnt bei einem einzigen Menschen. Immer. Nämlich bei uns selbst.

Niemand kann andere Menschen verändern. Wir können nur uns selbst verändern. Und genau das hat Auswirkungen. Auf unsere Familie. Auf unsere Partnerschaft. Auf unsere Kinder. Auf unsere Freunde. Auf die Menschen, denen wir begegnen.

Liebe breitet sich aus, genauso wie Angst. Deshalb wünsche ich mir, dass wir der Liebe wieder mehr Raum geben. Und damit beginnen wir am besten bei uns selbst. Denn:

Ich bin genug.


Mein Wunsch für dich

Falls du das Journal für Selbstliebe auch haben möchtest, findest du es hier.

Dann wünsche ich dir, dass es ein Begleiter für dich wird. Ein Journal, das du immer wieder zur Hand nimmst. Und dass du dann feststellst: „Ich sehe die Welt heute mit anderen Augen.“ Nicht, weil das Journal dich verändert hat. Sondern weil du den Mut hattest, dir selbst zu begegnen.

Ich bin davon überzeugt, dass in jedem Menschen ein gesunder, liebevoller und kraftvoller Kern lebt. Manchmal ist er nur von Erfahrungen, Ängsten und alten Glaubenssätzen überdeckt. Doch er ist da.

Vielleicht beginnt Heilung, sei es von Krankheit, Blockaden oder unliebsamen Mustern, nicht damit, gegen diese Dinge zu kämpfen. Vielleicht beginnt sie einfach dort, wo wir aufhören, gegen uns selbst zu kämpfen.

Schreib mir gerne im Kommentar über deine Erfahrungen mit dem Thema.

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